Monopol-Magazin 10/2011
The Spiral and The Square: Exercises in Translatability
Was passiert, wenn ein Sachverhalt von der einen in die andere Sprache übersetzt wird? Lücken, Sprünge, Verschiebungen tun sich auf, die die Unzulänglichkeiten der Sprache selbst ans Licht rücken.
Die in Brasilien tätigen Kuratoren Jochen Volz und Daniela Castro haben für ihre Ausstellung The Spiral and the Square: Exercises in Translatability eben solche Arbeiten zusammengestellt, die den Akt des Übersetzens auf sein kritisches oder kreatives Potential abklopfen. Als einen Versuch, als eine “Übung” haben sie ihre Ausstellung in der Bonniers Konsthall konzipiert, und dafür bewusst ein weites (und loses) Spektrum an Arbeiten gewählt.
Bevor man die Ausstellungsräume betritt, empfängt einen das Werk von Angela Detanilo und Rafael Lain: die Fensterfront zur Strasse hin ist überzogen von grossflächigen Lettern auf weissem Hintergrund, die Aufschrift sagt New Roman Times, in dem allen vertrauten Zeichensatz Times New Roman geschrieben. Unsere vertrauten Zeichensysteme mit neuer Bedeutung zu laden ist eine der Tendenzen in der Ausstellung, zu der ich auch Rirkrit Tiravanijas Parolen-Workshop untitled 2011 (t-shirt, no t-shirt) zählen will.
Eine andere Tendenz ist der Themenkomplex einer Fremdheit existentieller Art, so in Laura Limas Werk Marra, in dem zwei Männer, nackt und von einer sackartigen Kapuze der Sicht beraubt, wortlos miteinander ringen. Ein vergleichbarer Ausgangspunkt ist in den Foto-Diptychen von Cinthia Marcelle zu sehen, in denen Menschen als Migranten in abweisender Landschaft ihre sisyphosartigen Arbeiten ausführen, ihr jeweils ureigenes Tun repetieren.
Überraschend frei haben die Kuratoren das Thema Übersetzung ausgelegt, nicht so sehr als einen zwischensprachlichen Transfer, wie als eine Verhandlung zwischen Zeichensystemen. Von den gegenständlichen Metamorphosen in der Arbeit der Koreanerin Haegue Yang zu Arto Lindsays Versuch eines Vernissagen-Soundtracks ist die Ausstellung da am geglücktesten, wo sie die eigentliche Unmöglichkeit einer Übersetzung gestaltet. Einzelne Disparitäten liest man dabei gerne als kuratorisches Statement: es ist ein Versuch.